Schließkantensicherung
Druckempfindliche Profilleiste an der bewegten Torkante – stoppt den Antrieb, bevor etwas gequetscht wird.
Warum sie nötig ist
Ein kraftbetätigtes Tor bewegt eine erhebliche Masse. Die gefährlichen Stellen sind weniger die Fläche als die Kanten und Quetschstellen: die vordere Torkante gegen den Anschlagpfosten, die hintere Kante beim Öffnen, der Spalt zwischen Torblatt und Zaun.
Eine Lichtschranke sichert den Durchfahrtsbereich, aber nicht den Moment, in dem eine Hand direkt an der Kante liegt. Genau dafür ist die Schließkantensicherung da.
Funktionsprinzip
Eine flexible Gummileiste (EPDM) wird auf die bewegte Kante aufgeschoben. Darin arbeitet eine Sensorik, die auf Verformung reagiert:
- Elektrosensitiv: Im Profil liegen zwei Leiterbahnen, die bei Druck Kontakt schließen. Robust, verbreitet, prüfbar über eine Widerstandsüberwachung.
- Optosensitiv: Ein Lichtwellenleiter läuft durch das Profil; Verformung ändert die Lichtdurchlässigkeit. Unempfindlich gegen Feuchtigkeit und Korrosion, teurer.
- Pneumatisch: Ein Luftschlauch mit Druckschalter. Einfach, heute seltener.
Spricht die Leiste an, stoppt und reversiert der Antrieb. Wichtig ist die Nachlaufstrecke: Zwischen Auslösen und Stillstand legt das Tor noch einen Weg zurück – die Leiste muss weich genug sein, diesen Weg abzufedern.
Überwachung ist Teil der Funktion
Eine Sicherheitseinrichtung, deren Ausfall unbemerkt bleibt, ist keine Sicherheitseinrichtung. Deshalb arbeiten normkonforme Systeme mit Selbstüberwachung: Die Steuerung prüft laufend die elektrische Verbindung. Ein Kabelbruch oder ein defektes Profil führt zur Abschaltung oder zumindest zur Fehlermeldung.
Die Anforderungen an solche Schutzeinrichtungen sind in DIN EN 12978 beschrieben, die Nutzungssicherheit von Toren in DIN EN 12453.
Montage und Praxis
- Leiste über die gesamte gefährdete Kantenlänge führen, nicht nur mittig
- Kabelführung im bewegten Bereich mit Spiralkabel oder Schleppkette, ohne Zugspannung
- bei Schiebetoren auch die hintere Kante und den Gegengewichtsbereich betrachten
- Anschlussstellen wasserdicht ausführen; eindringende Feuchte ist die häufigste Ausfallursache
- Profile altern durch UV und Frost – nach acht bis zwölf Jahren ist Ersatz normal
Prüfung
Die Funktion ist regelmäßig zu testen: Tor schließen lassen und mit einem geeigneten Gegenstand – nicht mit der Hand – die Leiste betätigen. Das Tor muss unverzüglich anhalten und zurückfahren. Bei gewerblichen Anlagen ist diese Prüfung Teil der wiederkehrenden Torprüfung und wird dokumentiert.
Wer feststellt, dass das Tor nicht reversiert, muss die Anlage außer Betrieb nehmen, bis der Fehler behoben ist.
Vorteile und Grenzen
Dafür spricht: schützt genau dort, wo Lichtschranken nicht wirken, nachrüstbar, überwachbar, vergleichsweise preiswert im Verhältnis zum Risiko.
Dagegen spricht: Verschleißteil, empfindlich gegen Feuchtigkeit im Anschluss, Kabelführung im bewegten Bereich anspruchsvoll, ersetzt keine Lichtschranke.
Passt dazu
Torantrieb
Motor, Steuerung und Sicherheitstechnik als System – die Automatisierung ist mehr als der Antrieb allein.
Lichtschranke
Unsichtbarer Lichtstrahl quer durch die Durchfahrt – erkennt, dass jemand im Weg steht, ohne ihn zu berühren.
Torsicherheit
Ein kraftbetätigtes Tor ist eine Maschine. Daran hängen Anforderungen, Prüfungen und die Verantwortung des Betreibers.
Schiebetor
Das Tor, das zur Seite fährt statt zu schwenken – die Lösung für Steigungen und knappe Einfahrten.
Passt das zu Ihrem Grundstück?
Ob Schließkantensicherung bei Ihnen die richtige Wahl ist, hängt von Gelände, Untergrund und Nutzung ab. Wir schauen uns das vor Ort an.
Beratung anfragenAllgemeine Orientierungswerte für den deutschen Markt. Maße, Kennwerte und rechtliche Vorgaben unterscheiden sich je nach Hersteller, Bundesland und Bebauungsplan.