Leitungsauskunft

Vor dem ersten Fundament: Wo liegen Strom, Gas, Wasser und Telekommunikation? Ein Anruf verhindert einen sehr teuren Tag.

Warum das kein Formalismus ist

Ein Zaunfundament reicht 80 cm und tiefer in den Boden – genau in die Ebene, in der Versorgungsleitungen liegen. Ein durchtrennter Gasanschluss ist ein Notfall mit Evakuierung, ein durchbohrtes Mittelspannungskabel ein lebensgefährlicher Unfall, ein gekapptes Glasfaserkabel ein Schaden im fünfstelligen Bereich.

Die Haftung liegt beim Veranlasser der Arbeiten. Wer ohne Leitungsauskunft gräbt, handelt fahrlässig – und trägt die Kosten der Reparatur samt Folgeschäden.

Welche Medien betroffen sind

  • Strom: Niederspannung, gelegentlich Mittelspannung im Gehweg
  • Gas: Hausanschluss und Verteilleitungen
  • Wasser und Abwasser, auch alte Tonrohre
  • Telekommunikation und Glasfaser
  • Fernwärme in Neubaugebieten
  • Straßenbeleuchtung und Ampelanlagen an Grundstücksgrenzen
  • private Leitungen: Gartenbewässerung, Poolzuleitung, Erdwärmesonden, Drainagen

Der letzte Punkt wird gern vergessen: Auf dem eigenen Grundstück gibt es oft Leitungen, die in keinem Plan stehen, weil der Vorbesitzer sie selbst verlegt hat.

Wie man an die Pläne kommt

  1. Netzbetreiber der Region anfragen – Strom, Gas, Wasser meist gebündelt beim örtlichen Stadtwerk. Die Auskunft ist in der Regel kostenlos und dauert wenige Tage.
  2. Telekommunikation separat anfragen; viele Anbieter haben Online-Portale für Planauskünfte.
  3. In Nordrhein-Westfalen gibt es zentrale Auskunftsportale, über die mehrere Sparten in einem Vorgang abgefragt werden können.
  4. Bestandsunterlagen des eigenen Hauses sichten: Bauakte, Grundstücksentwässerungs- plan, Rechnungen früherer Gartenarbeiten.

Pläne richtig verstehen

  • Pläne zeigen die Lage schematisch. Die tatsächliche Lage kann seitlich und in der Tiefe abweichen – oft um mehrere Dezimeter.
  • Ein Plan ist keine Freigabe. Er sagt, wo mit Leitungen zu rechnen ist.
  • Im Zweifel von Hand suchschachten: vorsichtig mit dem Spaten öffnen, nicht mit Bagger oder Erdbohrer.
  • Bei Verdacht auf Mittelspannung oder Gas: Netzbetreiber zur Einweisung vor Ort bitten.

Baumschutz mitdenken

Neben Leitungen ist der Wurzelbereich geschützter Bäume zu beachten. Viele Kommunen haben eine Baumschutzsatzung; Eingriffe im Kronentraufbereich sind dann genehmigungspflichtig. Praktische Alternativen im Wurzelbereich:

  • Einschlagbodenhülsen statt Betonfundament, wo die Zaunhöhe es zulässt
  • Pfostenabstände so wählen, dass Fundamente zwischen den Starkwurzeln liegen
  • Aufschraubplatten auf vorhandene Flächen statt neuer Fundamente

Kurze Checkliste

  • Leitungsauskunft eingeholt und Pläne vorliegend
  • Private Leitungen auf dem Grundstück recherchiert
  • Bei Unsicherheit von Hand vorgeschachtet
  • Baumschutzsatzung geprüft
  • Erst dann Erdarbeiten beginnen

Der ganze Vorgang kostet ein paar Telefonate und einige Tage Vorlauf. Er ist die günstigste Versicherung im gesamten Projekt.

Passt das zu Ihrem Grundstück?

Ob Leitungsauskunft bei Ihnen die richtige Wahl ist, hängt von Gelände, Untergrund und Nutzung ab. Wir schauen uns das vor Ort an.

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Allgemeine Orientierungswerte für den deutschen Markt. Maße, Kennwerte und rechtliche Vorgaben unterscheiden sich je nach Hersteller, Bundesland und Bebauungsplan.